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Bertha die Jagd, die Hunde, die Pferde lieben; aber das hindert ſie nichty rechtſchaffen zu ſein, und der verſtorbene Pfarrer von Benate, der ein ſchlauer Wilddieb war, hat nicht die ſchlechteſten Meſſen ge⸗ leſen, weil ſein Hund in der Sakriſtei und ſeine Flinte am Altar lag.“
„Tatſache iſt,“ entgegnete Michel, uneingedenk, daß er ſeiner erſten Behauptung widerſprach,„That⸗ ſache iſt, daß ſie ein ſanftes und gutes Ausſehen haben, beſonders Fräulein Mary.“
„Sie ſind ſanft und gut, Monſieur Michel, wahrhaftig; vergangenes Jahr, während der feuch⸗ ten Hitze, als jene Art Sumpffiebers, woran ſo viele arme Teufel geſtorben ſind, in der Gegend herrſchte, wer hat die Kranken gepflegt, und noch dazu ohne zu murren, ſobald die Aerzte und Apo⸗ theker und all das zitternde Volk bis auf die Thier⸗ ärzte herab davon gelaufen waren? Die Wölfinnen, wie ſie Alle ſagen, ah! ſie predigen nicht von Mild⸗ thätigkeit auf der Kanzel, ſondern beſuchen im Ver⸗ borgenen die Häuſer der Unglücklichen, ſie ſtreuen Almoſen aus und erndten Segensſprüche; auch darf man, wenn die Reichen ſie haſſen und die Adeligen ſie mit Eiferſucht betrachten, keck ſagen, daß die Armen für ſie ſind.“
„Woher kommt es aber dann, daß ſie ſo übel angeſehen ſind?“ fragte Michel.
„So! weiß man das? fragt man ſich das? gibt man ſich davon Rechenſchaft? Die Menſchen, ſehen Sie, Monſieur Michel, ſind, das heißt ohne Vergleichung, wie die Vögel; iſt einer von ihnen krank und in der Mauſe, ſo kommen alle, ihm die


