Teil eines Werkes 
1. Bd. (1858)
Entstehung
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welches ſie ſo ſehr gewünſcht hatte; das Milchfieber raffte ſie hinweg.

Ihre Zärtlichkeit für den Marquis von Souday war nach den zwölf Jahren ebenſo lebhaft und tief wie in den erſten Tagen ihrer Vereinigung; indeſſen hatte ihre Liebe, ſo groß ſie auch war, ihr doch die Erkenntniß nicht verbergen können, daß Frivoli⸗ tät und Selbſtſucht den Grundcharakter ihres Ge⸗ liebten ausmachten. So ſtarb ſie getheilt zwiſchen dem Schmerz, dem ſo geliebten Mann ein ewiges Lebewohl zu ſagen, und dem Schrecken, die Zukunft lhrer beiden Kinder in dieſen frivolen Händen zu ſehen.

Dieſer Verluſt machte auf den Marquis einen Eindruck, den wir genau darlegen wollen, weil er uns einen Maßſtab für die Perſon an die Hand zu geben ſcheint, welche eine wichtige Rolle in der von uns begonnenen Erzählung zu ſpielen beſtimmt iſt.

Er begann damit, ernſthaft und aufrichtig ſeine Gefährtin zu beweinen, weil er nicht umhin konnte, ihren Eigenſchaften zu huldigen und das Glück zu erkennen, welches er ihrer Zuneigung zu verdanken gehabt hatte, weil endlich immer eine kleine Wunde im Herzen zurückbleibt, ſo hart und von Selbſtſucht gepanzert es auch ſein mag, wenn es zwiſchen ſich und das Herz, welches lange Zeit alle Pulsſchläge mit ihm theilte, die Ewigkeit treten ſieht.

Hierauf, als dieſer erſte Schmerz ſich beſänftigt hatte, empfand er Etwas von der Freude eines Schülers, der ſich ſeiner Feſſeln entledigt ſieht. Eines oder des andern Tages hätten ſein Name, ſein Rang, ſeine Geburt ihm den Bruch dieſes Bandes