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für ſeine erſten Liebſchaften unter Herzoginnen hatte wählen können.
Bald verleiteten ihn die Leichtigkeit ſeiner Grund⸗ ſätze und die unaufhörlich wieder erwachenden Be⸗ dürfniſſe des Lebens zu Zugeſtändniſſen, wobei ſich ſein Ruf ſchlecht befand. Er nahm an, was er nicht bezahlen konnte, er machte zu ſeinen Freunden Ge⸗ noſſen der Ausſchweifung aus einer niedrigeren Claſſe; die Folge davon war, daß ſeine Kameraden aus der Emigration ſich von ihm abwandten; und nach der natürlichen Neigungslinie der Dinge ver⸗ ſenkte ſich der Marquis von Souday, je einſamer es um ſeine Perſon wurde, deſto tiefer in die ſchlechte Lebensweiſe, welche er angenommen hatte.
Zwei Jahre dauerte dieſe Exiſtenz, als der Zu⸗ fall ihm in einer Kneipe der City, zu deren eifrig⸗ ſten Gäſten er gehörte, eine junge Arbeiterin ent⸗ gegen führte, welche von einer jener abſcheulichen Creaturen, die in London wuchern, aus ihrer Man⸗ ſarde geriſſen und zum erſten Mal producirt wurde.
Nitten unter den Veränderungen, welche das Mißgeſchick über denſelben gebracht, erkannte das arme Mädchen doch einen Reſt von Nobleſſe an ihm; ſie warf ſich weinend ihm zu Füßen und flehte ihn an, ſie von dem ehrloſen Leben zu retten, das ihr zugedacht und wozu ſie nicht geſchaffen wäre, da ſie ſich bisher ſittſam betragen hätte.
Das Mädchen war ſchön; der Marquis bot ihr an, ſie mit ſich zu nehmen.
Das Mädchen warf ſich ihm an den Hals und verſprach ihm ſeine ganze Liebe zu ſchenken, ſeine ganze Ergebenheit zu weihen.—
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