Der Vicomte von Montgommery. 185
für die Partei der Guiſe, deren Arm der Balafré und deren Kopf der Cardinal, und für die der Bourbons deren geheime Seele Katharina von Medicis war.
Man darf übrigens nicht glauben, daß ſich die Angſt der Königin Mutter und des Cardinals in ihren Reden und ihrem Benehmen verrieth; im Gegentheil, ſte hatten ſich niemals vertrauensvoller und freundſchaftlicher gegen einander gezeigt.
„Ja, Madame,“ ſagte Karl von Lothringen,„dieſer Kanzler von l'Hopital weigert ſich beharrlich, das Todes⸗ urtheil des Prinzen zu unterzeichnen.“
„Wie? Sollte denn ſeine Widerſetzlichkeit durchaus nicht zu beſtegen ſein?“ erwiederte Katharina, welche eben dieſe Widerſetzlichkeit dietirt hatte.
„Ich habe Schmeicheleien und Drohungen angewen⸗ det,“ verſetzte der Cardinal;„aber er iſt unbeugſam. Es gäbe indeß wohl noch ein Mittel, das alle Kanzler der Welt überflüſſig machen würde.“
„Welches iſt dieſes Mittel?“ rief die Königin Mut⸗ ter etwas beunruhigt.
„Indem wir das Urtheil vom Könige unterzeichnen laſſen,“ ſagte der Cardinal.
„Vom Könige?“ wiederholte Katharina.„Hat er denn das Recht dazu?“


