Der Vicomte von Montgommery. 11
weshalb er ſie mit Höflichkeiten und Zuvorkommenheiten im wahren Sinne des Wortes überhäufte. Täglich wie⸗ derholte er ſich, wie viel beſſer es für ſeine Ruhe ſein würde, wenn er das wahrhaft königliche Löſegeld an⸗ nähme, das ihm Heinrich II. hatte anbieten laſſen, und Diana in Freiheit ſetzte. Allein in dieſem Falle übergab er ſie ja zugleich ſeinem glücklichen Nebenbuhler, dem Grafen Exnies, und zur Erfüllung eines ſolchen Opfers fand der Engländer niemals Kraft und Muth genug.
Am 31. December 1557 war es Lord Wentworth gelungen, die Erlaubniß zu einem Beſuche in Diana's Zimmern zu erhalten. Sie ſaß in einem Lehnſtuhl am Kamin, er ſtand neben ihr, und ſo ſprachen ſie zuſam⸗ men. Der Gegenſtand ihres Geſprächs war derſelbe wie bei allen vorhergegangenen Unterredungen.
„Wenn ich aber endlich,“ ſagte der Gouverneur, „durch Eure Grauſamkeit auf's Aeußerſte gebracht, den⸗ noch vergeſſen ſollte, Madame, daß ich ein Edelmann und Euer Wirth bin...?“
„Dann würdet Ihr Euch ſelbſt, nicht mich entehren, Mylord,“ erwiederte Diana mit Feſtigkeit.
„Wir würden Beide entehrt ſein,“ verſetzte Lord Wentworth.„Ihr ſeid in meiner Gewalt! Zu wem könntet Ihr Eure Zuflucht nehmen?“


