BI
—
— 22—
„Geſchmack!“ ſagte die Königin, die Unterlippe wie⸗ der emporwerfend;„Sie ſind ſo gutmüthig und fügſam, liebe Thibaut, daß Sie auch unſrer vorgeſchrittenen Zeit ihren Einfluß auf ſich geſtatten wollen.“
„Ew. Majeſtät hatten ſelbſt die Gnade mir zu ſagen, daß der König die Rednerin der Deputation mit huld⸗ reichen Blicken betrachtet und wegen ihrer Sanftmuth ge⸗ rühmt habe.“
„Da ich nicht in dem Falle bin, dem Gedächtniß einzuprägen, was ich zu Ihnen ſage, mag es auch noch ſo wichtig ſein, ſo werde ich mich gefangen geben müſſen und erſuche Sie nur, mir die Worte des Herrn von St. Prieſt zu wiederholen.“
„Der Herr Miniſter läßt Ihnen ſeinen unterthänigen Reſpect vermelden und ſetzt hinzu, daß er nach dem Wun⸗ ſche Ew. Majeſtät gehandelt und die Charlotte Van⸗ ner in die Tuilerien entboten habe, daß dieſe aber nach einer kurzen Ausſage über einige beim Empfange der De⸗ putation vom 6. October noch unaufgeklärte Nebenum⸗ ſtände vorbereitet ſei in Ihren Gemächern zu erſcheinen.“
„Ich werde ſie auf der Stelle empfangen, um zu un⸗ terſuchen, ob ſie auch nach meinem Geſchmacke iſt.“
Und dabei gab Marie Antoinette ihrer erſten Kammerfrau das bekannte Zeichen der Entlaſſung. Dieſe


