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der Ruhe nöthig ſei, und Marie Antoinette zeigte ſich ihrer erhabenen Mutter würdig, als ſie ausrief: „Und ſollte es mir das Leben koſten, ich gehe.“ Bei dieſen Worten nimmt ſie ihre Kinder bei der Hand und begiebt ſich mit dem General auf den Balcon, welcher ihre Empfindungen für das Volk kundgab und gewähr⸗ leiſtete. Es ließ ſich wohl hier und da eine Stimme vernehmen:„Keine Kinder!“ wurde aber doch vom Bei⸗ fallsgeſchrei übertönt.
Bald darauf erſchien auch der König mit den Mini⸗ ſtern auf dem Balcon. Lafayette winkte mit der Hand und ſprach:„Seine Majeſtät der König erfüllt den Wunſch ſeiner Hauptſtadt, ſeine Reſidenz dahin zu ver⸗ legen. Doch muß ich hinzufügen, daß es übelgeſinnte Leute giebt, welchen es zum Vortheil gereicht das Volk irre zu leiten. Ich kenne ſie wohl und werde ihre Namen zu ſeiner Zeit bekannt machen.“
„Meine Kinder,“ nahm der König das Wort,„Sie wünſchen, daß ich Ihnen nach Paris folge; ich will es thun, aber nur unter der Bedingung, daß ich mich nicht von meiner Gemahlin und von meinen Kindern trenne.“
„Ja, ja, recht ſo!“ erſcholl es von allen Seiten, und zum erſten Male hörte man den Ruf wieder:„Es lebe die Königin!“


