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Dieſe ebenſo ſeltſame als ergreifende Scene hatte auf Charlotten den bleibendſten Eindruck gemacht. Das gütige und väterliche Geſicht ihres Königs, ſein leutſe⸗ liges Benehmen gegen die arme Chabry, ſeine liebens⸗ würdigen Antworten auf die beiden Anreden, das alles erfüllte die junge Schweizerin mit der lebhafteſten Be⸗ wunderung, unter welche ſich das herzlichſte Bedauern miſchte, daß er ſo vielfach verkannt wurde. Alle dieſe Empfindungen lagen auf ihrem Geſicht, als ſie mit ihren Begleiterinnen heraus auf den Platz trat, wo die Menge im heftigſten Regenwetter ungeduldig auf die Rückkehr der Deputation harrte.
Natürlich wurden die fünf Frauen, welche die Ehre gehabt hatten vor den König zu kommen, ſogleich von dem Haufen der Weiber umringt und mußten erzählen. Anfangs hörte man ſie ruhig an; als ſie aber des Kö⸗ nigs Verſprechungen und herablaſſende Güte mit leb⸗ haften Farben zu ſchildern begannen, als man namentlich Charlottens ſtrahlendes Geſicht ſah, rief ein ſtäm⸗ miges Fiſchweib:
„Wem wollt Ihr das aufbinden!“
„Wenn der König das wollte, was Ihr ſagt, würde er es ſchon längſt gethan haben!“ ſagte eine andre Frau.
„Viſitirt ſie!“ rief eine dritte;„Ihr werdet ſchon


