Teil eines Werkes 
2. Th. (1848)
Entstehung
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ſtadt und verſprach ſeine Bemühungen mit denen der Nationalverſammlung zu vereinigen, um die nöthigſten Vorräthe ſchleunigſt herbeizuſchaffen. Man hatte es der 17jährigen Louiſe Chabry überlaſſen, dem König die Beſchwerden der Pariſerinnen vorzutragen; allein als ſie ſprechen wollte, erſtarb ihr das Wort auf den Lippen; ſie wurde todtenbleich und fiel in Ohnmacht. Man kam ihr leutſelig zu Hülfe. Dann nahm Charlotte Van⸗ ner das Wort und ſprach beſcheidentlich:Sire, tief ergriffen von der Ehre vor Ewr. Majeſtät zu ſtehen, ver⸗ mag ich es kaum Ihnen den Grund zu ſagen, welcher die Pariſerinnen nach Verſailles geführt hat... Ach, der Beſte der Könige fühlt ja die Leiden ſeines Volks inniger als ich ſie ausſprechen könnte! Sire, die Pa⸗

riſer haben kein Brod und wünſchen ihren König, ihren

Vater in ihrer Mitte zu ſehen... Weiter konnte Charlotte nicht ſprechen; Thränen traten ihr in die Augen und ſie bückte ſich um dem Koͤnig die Hand zu küſſen. Dieſer aber ſchloß ſie gütig in ſeine Arme und ſagte:Für Brod ſoll geſorgt werden und ich befinde mich nur wohl in der Mitte meines Volks. Hierauf entfernte ſich die Deputation unter dem begeiſterten Rufe der fünf Frauen und einiger Deputirten:Es lebe der König und ſein ganzes Haus!

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