4.
Am Morgen des 1. Octobers 1789 ſaß in einem pracht⸗ voll decorirten Zimmer des Verſailler Schloſſes eine etwa 34jährige Frau, deren blaue Augen mit Intereſſe an ei⸗ nem lateiniſchen Buche zu hängen ſchienen. An der Thür ſtanden ein paar junge Damen, welche mit einander flü⸗ ſterten.
Die ſchöne Frau(es war die Königin Marie An⸗ toinette) legte ihr Buch auf das Fenſterkiſſen, nahm ein wundervoll geſticktes Taſchenbuch aus der Toilette und ſchrieb hinein:
Jam nova progenies coelo demittitur alto; und gleich darauf fügte ſie hinzu: Non equidem invideo, miror magis.
Nachdem ſie dieſe beiden Verſe des Virgil, den ſie recht gut verſtand, flüchtig abgeſchrieben hatte, legte ſie
das Buch hin und ſetzte ſich an das Clavier, um ein


