— 105—
Leben ihres Gemahls und für den Thron zittert! Und auf dieſe macht man Spottbilder...“
Soweit war ſie in ihrem Selbſtgeſpräch gekommen, als mit hochrothem Geſicht Théroigne de Méricourt in's Zimmer ſtürzte, ein Paar koſtbare Piſtolen auf den Mahagonytiſch warf, Charlotten ſtürmiſch umarmte und emphatiſch ausrief:
„Nun, meine Theure, nun endlich wird die Morgen⸗ röthe der echten Freiheit über dem ſchönen Frankreich aufgehen!...⸗
„Und was iſt auf's neue geſchehen?“
„Ich habe den Vicomte von Noailles wieder ge⸗ ſprochen und von ihm erfahren, daß viele ſeiner Stan⸗ 1 desgenoſſen entſchloſſen ſind gleich ihm die Vorrechte des Adels aufzugeben. Bei dieſen hatte er jedenfalls mehr Ueberredungskünſte nöthig als ich bei ihm, obwohl ich geſtehen kann, daß mir noch keine politiſche Rede ſo von Herzen gegangen, ſo wunderbar gelungen iſt als die in Bezug auf die Privilegien der Adlichen...“
„Verſtehe ich recht,“ ſagte Charlotte erſtaunt,„ſo will der Adel ſeine Vorrechte freiwillig aufgeben...“
„Es iſt mir mit heiligen Worten zugeſichert und wird geſchehen... o in welch einer Zeit leben wir! Noch vor einem Jahre wäre jedermann eingeſteckt wor⸗


