Teil eines Werkes 
1. Th. (1848)
Entstehung
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Genf, den 20. April 1789.

Th O

Theuerſter Otto,

Wenn Du dieſen Brief erhältſt, reffe ich die letzte Vorbereitung zu meiner Abreiſe. Bald, Geliebter, werde ich in Deinen Armen ſein! Von allen Deinen Ver⸗ wandten bringe ich Dir die herzlichſten Glückwünſche und von meinen armen Eltern die innigſte Dankbarkeit. Ach, ein ſolches Glück hätten ſie ſich nicht träumen laſſen, und ich ſelbſt kann kaum daran glauben! Bloße Geſell⸗ ſchaftsdame des Fräuleins von Launoy zu werden und doch 1000 Liores Gehalt zu bekommen! Das überſteigt alle unfre Begriffe. Und nun unter einem Dache mit Dir zu weilen!

Du fragſt mich, warum ich Dir ſo ſpät antworte?

Ach, Geliebter, wenn meine Seufzer zu Dir geflogen wä⸗ ren, Du hätteſt tauſend Antworten! Aber das Zuſammen⸗ ſchaffen meiner kleinen Habſeligkeiten, die beſtändige Ar⸗ beit für meine armen Eltern, das Aufbringen der Reiſe⸗ koſten denn das von Dir uͤberſchickte Geld bedurften wir in der Hauswirthſchaft die Ungewißheit, an wel⸗ chem Tage ich abreiſen könnte: alles das forderte Auf⸗ ſchub; doch dieſe ſpäte Antwort gilt dem vertrauens⸗

vollen Herzen und kommt aus dem treuen Herzen, die