190 Die Familie Cenci.
legenheit des Feſtes des heiligen Kreuzes, befreite die Ge⸗ ſellſchaft des heiligen Marcellus, mit ausdrücklicher Einwilligung des Papſtes, den armen Bernhard Cenci aus dem Gefängniſſe, mit der Verpflichtung im Laufe des Jahres zweitauſend fünfhundert römiſche Thaler an die Geſellſchaft der heiligen Dreieinigkeit zu bezahlen, ſowie dies noch jetzt in den Archiven derſelben aufgezeichnet iſt.
In der Galerie Barberini findet man neben fünf an⸗ dern Meiſterwerken das Portrait Beatricens von Guido Reni gemalt, Einige ſagen während der Nacht vor der Hinrichtung, Andre in dem Augenblicke, wo ſie zum Schafotte ging. Es iſt ein herrlicher Kopf mit einem Turban, von welchem eine Draperie herabhängt, mit reichen, hellbraunen Haaren, ſchwarzen Augen, in denen man noch die Spuren kaum getrockneter Thränen zu ſehen glaubt, einer vollkommen ſchönen Naſe und dem Munde eines Kindes; auf die Hautfarbe, welche ſehr weiß war, kann man jedoch von dem Gemälde nicht ſchließen, denn dieſes hat ſich geröthet und das Fleiſch hat faſt eine zie⸗ gelrothe Farbe bekommen. Das Alter des Mädchens ſcheint zwanzig bis zweiundzwanzig Jahre zu ſein.
Neben dieſem Portrait hängt das von nUerezia Pe⸗ troni. Nach der Dimenſion des Kopfes ſcheint er einer mehr kleinen als großen Perſon anzugehören; es iſt der Typus der römiſchen Matrone in ihrem ganzes Stolze, mit der gefärbten Haut, den ſchönen Linien, der geraden Naſe, den ſchwarzen Augenwimpern und dem zugleich ge⸗ bieteriſchen und von Wolluſt feuchten Blicke. In der Mitte der runden fleiſchigen Wangen ſieht man die reizen⸗ den Grübchen, von denen der Chroniſt erzählt, daß ſie dem Geſicht nach dem Tode noch ein lächelndes Anſehen gegeben haben. Der Mund iſt wunderſchön und die auf
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