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Die Familid Cenci.„ 18 3
um Beatricen zu holen, die, als ſie zuerſt das 21
Crueifix erblickte, einige Gebete für ihre Seele ſprach u da ſie den Henker mit den Stricken kommen ſah, ausrief:
„Wolle Gott, daß Du dieſen Körper für die Verwe⸗ ſung bindeſt und meinen Geiſt ſür die Unſterblichkeit ent⸗ feſſelſt!“
Dann ſtand ſie auf, trat auf den Platz, wo ſie an⸗ dächtig die Wunden Chriſti küßte, ließ dann ihre Pantof⸗ feln am Fuße des Schafotts zurück und ſtieg mit leichtem Schritt die Treppe hinauf. Da ſie ſich ſchon vorher er⸗ kundigt hatte, was ſie zu thun habe, nahm ſie raſch die gehörige Stellung ein und legte ihren Kopf ſo ſchnell als möglich auf den Block, damit man ihre bloßen Schultern nicht ſehen ſollte. Aber trotz dieſer Vorkehrungen, um die Sache ſchnell zu beendigen, mußte ſie warten, denn der Papſt, welcher ihren heftigen Charakter kannte und fürchtete, daß ſie zwiſchen der Abſolution und dem Tode noch eine Sünde begehen könnte, hatte Befehl gegeben, daß in dem Augenblick, wo Beatrice auf dem Schafott ſein würde, eine Kanone auf der Engelsburg gelöſ't wer⸗ den ſollte. Dies geſchah zum großen Erſtaunen der gan⸗ zen Verſammlung, denn niemand hatte dieſen Schuß er⸗ wartet, ſelbſt Beatrice nicht, welche ſich daher faſt ganz wieder erhob. In dieſem Augenblicke gab der Papſt, wel⸗ cher in Monte Cavallo betete, Beatrice die Abſolution in articulo mortis. Damit vergingen ungefähr fünf Mi⸗ nuten, während welcher die Verurtheilte wartete, den Kopf auf den Block gelegt, und erſt als der Nachrichter glaubte, daß die Abſolution geſprochen ſei, ließ er das Meſſer herabfallen.
Jetzt ſah man etwas Gräßliches; während der Kopf
auf der einen Seite auf dem Schafott hinhüpfte, wich der


