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Die Familie Cenci.
dem Schafott angekommen war, entriß er ihr den Schleier, der ihren Kopf bedeckte. Sie wurde bluthroth vor Scham, daß ſie ſich ſo mit entblößtem Buſen öffentlich zeigen mußte, und als ſie einen Blick auf den Block warf, be⸗ kam ſie ein Zittern der Schultern, worüber die ganze Verſammlung ſchauderte. Dann ſagte ſte mit Thränen in den Augen und mit lauter Stimme:
„O mein Gott, habe Mitleiden mit mir! Und Ihr, meine Brüder, betet für meine Seele!“
Nachdem ſie dies geſagt hatte, wendete ſie ſich an Ale⸗ rander, den oberſten Nachrichter, und fragte ihn, was ſie zu thun habe. Er antwortete ihr, ſie ſolle ſich rittlings auf das Bret legen und ſich darauf ausſtrecken, was ſie mit großer Mühe und unter großer Beſchämung that; als ſie dann aber wegen ihrer ſtarken Bruſt den Kopf nicht auf Block legen konnte, mußte man noch ein Stück Holz auf letzterem anbringen. Während dieſer ganzen Zeit mußte die arme Frau warten, noch mehr durch die Schande als durch die Furcht vor dem Tode leidend.
Endlich war alles in Ordnung, der Henker lüftete die Feder, und der Kopf fiel, vom Rumpfe getrennt, auf das Schafott, wo er, zum großen Schauder der Menge, einige Sprünge machte. Der Henker ergriff ihn und zeigte ihn dem Volke, dann hüllte er ihn in ein Stück ſchwarzen Taffet und legte ihn zu dem Körper in einen unter dem Schafott ſtehenden Sarg.
Während man für Beatrice alles wieder in Ordnung brachte, ſtürzte ein mit Menſchen überladenes Gerüſt zu⸗ ſammen, viele wurden dadurch getödtet und eine noch größere Anzahl mehr oder weniger ſchwer verletzt.
Nachdem die Maſchine in Stand geſetzt und das Blut
entfernt war, ging der Nachrichter wieder in die Capelle,


