Teil eines Werkes 
1. Bd. (1847)
Entstehung
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Die Familie Cenci. 185

In der Nacht des Sonnabends war ein großes Scha⸗ fott auf der Engelsbrücke erbaut worden, und auf dieſem ſah man die Breter und den Block vorbereitet. Ueber dem Block hing zwiſchen zwei Balken ein breites Meſſer, wel⸗ ches, in Falzen gehend, mit ſeinem ganzen Gewicht auf den Block herabfiel, wenn man eine Feder losließ.

Die Proceſſion ging daher nach der Engelsbrücke zu. Lucrezia, welche die Schwächſte war, weinte heiße Thrä⸗ nen, aber Beatrice hatte eine ruhige, feſte Miene. Als man an den Platz der Engelsbrücke kam, wurden die Frauen ſogleich in eine Capelle geführt, wo bald darauf auch Jacob und Bernhard zu ihnen gebracht wurden. Hier blieben alle vier einen Augenblick beiſammen, dann holte man zuerſt Jacob und Bernhard, um ſte auf das Schafott zu führen, obgleich der Erſtere zuletzt hinge⸗ richtet werden ſollte und der Letztere begnadigt worden war. Als ſie aber auf die Plateform kamen, wurde Bernhard zum zweiten Male ohnmächtig, und da der Nachrichter auf ihn zuging, um ihm beizuſtehen, riefen Einige, welche glaubten, er wolle ſich an ihm vergreifen, mit lauter Stimme:Er iſt begnadigt! Der Henker beruhigte ſie, indem er Bernhard neben den Block niederſetzen ließ. Jacob fiel auf der andern Seite auf die Knie.

Jetzt ging der Henker wieder hinab in die Capelle und holte zuerſt Signora Luerezia, welche den Anfang ma⸗ chen ſollte. Als er mit ihr an den Fuß des Schafotts kam, band er ihr die Hände auf den Rücken, zerriß ihr den obern Theil ihres Kleides, um ihr die Schultern zu ent⸗ blößen, und ließ ihr, zu ihrer letzten Ausſöhnung mit Gott, die Wunden Chriſti küſſen. Dann führte er ſie an die Treppe, welche ſie wegen ihres großen Körperumfanges nur mit vieler Mühe emporſteigen konnte, und als ſie auf