184 Die Familie Cenci.
prächtigen mit Gold beſetzten Mantel, denn dem armen Knaben, welcher enthauptet werden ſollte, hatte man ſchon Hals und Schultern entblößt.
Manche wunderten ſich, in den Händen des Henkers einen ſo prächtigen Mantel zu ſehen, aber man ſagte ihnen, daß es der nämliche ſei, den Marzio von Beatrice zum Geſchenk erhalten habe, um ihn zu der Ermordung ihres Vaters zu bewegen, und den der Henker nach der Hinrichtung des Mörders geerbt hatte.
Der Anblick der großen Menſchenmenge machte einen ſolchen Eindruck auf den jungen Bernhard, daß er ohn⸗ mächtig wurde.
Die Geſänge begannen von neuem und die Proceſſion etzte ſich in Bewegung nach dem Gefängniß von Corte Savella. Als ſie an der Thür ankamen, blieb das heilige Crucifixr ſtehen, um die Frauen zu erwarten; bald kamen ſie aus dem Hauſe und fielen auf der Schwelle auf die Knie, um ebenfalls ihre Andacht zu verrichten; dann ſetzte der Zug ſeinen Weg fort.
Die beiden Frauen gingen zu Fuß neben einander, hin⸗ ter der letzten Reihe der Büßenden. Jede von ihnen hatte den Kopf bis auf den Gürtel bedeckt, mit dem Unterſchiede, daß Signora Lucrezia als Wittwe einen ſchwarzen Schleier und ſchwarze Pantoffeln trug, mit hohen Abſätzen und Bandſchleifen, wie es damals die Mode war, während Beatrice, als junges Mädchen, ein farbiges ſeidenes Schleierchen trug, ſowie weiße Pantoffeln mit hohen Ab⸗ ſätzen, goldnen Quaſten und einer kirſchrothen Franſe. Uebrigens hatten Beide die Arme frei und waren nur mit einem lockern Stricke gebunden, damit ſte in der einen Hand ein Crueifir und in der andern ihr Schnupftuch tra⸗ gen konnten.


