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Die Familie Cenci.
brennenden Kerzen in der Hand vor dem Cruecifix hergin⸗ gen, faſt erſchlug. Das Gefäß fiel ſo nahe bei der Flamme nieder, daß der Luftzug ſie auslöſchte.
In dieſem Augenblick öffneten ſich die Thüren, und Jacob erſchien zuerſt auf der Schwelle; er fiel ſogleich nieder und betete mit großer Andacht das heilige Crucifix an. Er war in einen weiten Trauermantel gekleidet, der ihn völlig verhüllte und unter welchem ſeine Bruſt entblößt war, denn auf dem ganzen Wege ſollte ihn der Henker mit glühenden Zangen reißen, die in einem auf dem Kar⸗ ren ſtehenden Kohlenbecken in Bereitſchaft waren. Er ſtieg auf den Wagen, wo der Henker ihn ſo ſetzte, wie es ihm am bequemſten war. Dann kam Bernardino, und in dem Augenblicke, wo er erſchien, ſprach der Fiscal von Rom mit lauter Stimme:
„Signor Bernardino Cenci, im Namen unſres heiligſten Erlöſers hat unſer heiliger Vater der Papſt Euch das Leben geſchenkt, indem er nur befiehlt, daß Ihr Eu⸗ rem ganzen Geſchlecht Geſellſchaft leiſtet bis zum Schafott und bis zum Tode, und Euch empfiehlt unaufhörlich für diejenigen zu beten, mit denen Ihr hättet ſterben ſollen.“
Bei dieſer unerwarteten Nachricht erhob ſich ein freu⸗ diges Gemurmel unter der Menge, und die Büßenden nah⸗ men ihm das kleine Bret ab, das ihm vor die Augen ge⸗ bunden war, denn wegen ſeines ſchwachen Alters hatte man ihm den Anblick des Schafottes verbergen zu müſſen geglaubt.
Jetzt ſtieg der Henker, der mit Jacob fertig war, vom Karren herab um Bernhard zu holen, und nachdem er ſich die Begnadigungsſchrift hatte zeigen laſſen, nahm er ihm die Handfeſſeln ab. Dann ſetzte er ihn auf den näm⸗ lichen Karren wie ſeinen Bruder und hüllte ihn in einen


