Teil eines Werkes 
1. Bd. (1847)
Entstehung
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Die Familie Cenci.

gefaltet, mit langen weiten Aermeln. Der Anzug Lucre⸗

zia's war von ſchwarzem baumwollenem Zeuge, der für Beatrice beſtimmte von Taffet. Sie hatte ſich über⸗ dies einen kleinen Turban als Kopfbedeckung anfertigen laſſen. Dieſe Kleidungsſtücke wurden ihnen gebracht, nebſt Stricken, um ſich damit zu gürten; ſie ließen ſie auf einen Stuhl neben ſich legen und fuhren fort zu beten.

Als der feſtgeſetzte Augenblick gekommen war, wurden ſte benachrichtigt, daß ihre letzte Stunde nahe ſei. Bea⸗ trice, welche noch auf den Knien lag, erhob ſich mit einem ruhigen, faſt heitern Geſicht und ſagte zu ihrer Stiefmutter:

Frau Mutter, der Augenblick iſt da, wo unſre Paſ⸗ fion beginnen ſoll; ich denke daher, daß es Zeit iſt uns vorzubereiten und uns gegenſeitig den letzten Dienſt zu leiſten, indem wir einander ankleiden, wie wir es gewohnt waren.

Sie legten dann die erhaltenen Kleidungen an, gürte⸗ ten den Leib mit Stricken, und nachdem Beatrice ihren Turban auf den Kopf geſetzt hatte, erwarteten ſie den letz⸗ ten Aufruf..

Unterdeſſen war auch Jacob und Bernhard das Urtheil vorgeleſen worden, und ſie erwarteten ebenfalls die Stunde des Todes. Gegen zehn Uhr kam die Brüder⸗ ſchaft della Miſericordia vor dem Gefängniſſe von Tordi⸗ nona an und blieb mit dem heiligen Cruzifix an der Thür ſtehen, die unglücklichen jungen Männer erwartend. Hier wäre faſt ein großes Unglück geſchehen. Da ſich viele Perſonen an den Fenſtern des Gefängnißgebäudes be⸗ fanden, um die Verurtheilten herauskommen zu ſehen, ſtieß jemand an ein großes mit Erde gefülltes Blumengefäß, welches auf die Straße fiel und einen der Moͤnche, die mit