Teil eines Werkes 
1. Bd. (1847)
Entstehung
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Die Familie Cenci.

ihm ihre Beſtimmungen mit großer Ruhe und Ordnung. Sie ſchloß das Teſtament, indem ſie bat, daß ihr Körper in der Kirche des heiligen Petrus in Montorio beigeſetz, werde, welche man von dem Palaſt ihres Vaters aus ſah und ſür die ſie eine ganz beſondre Verehrung hatte. Sie beſtimmte funfhundert Thaler für die Nonnen zu den Wun⸗ den Chriſti und befahl, daß mit ihrer Mitgift, welche ſich auf funfzehntauſend Thaler belaufen haben würde, funfzig arme Mädchen ausgeſteuert werden ſollten. Zu der Stelle, wo ſie beerdigt ſein wollte, beſtimmte ſie den Fuß des Hochalters, über welchem ſich das ſchöne Gemälde der Verklärung befand, das ſie während ihres Lebens ſo oft bewundert hatte.

Lucrezia wurde durch dieſes Beiſpiel erbaut und be⸗ gann ebenfalls ihre letzten Beſtimmungen zu treffen; ſie verlangte, daß ihr Körper in die Kirche St. Georgs in Velabre gebracht werde, nebſt zweiundreißig Thalern Almo⸗ ſen und mehrern andern frommen Vermaͤchtniſſen.

Nachdem dieſe letzten Beſtimmungen getroffen waren, vereinigten ſich die beiden Frauen zum Gebet, und indem ſie ſich auf die Knie warfen, begannen ſie die Pſalmen die Litanei und die Sterbegebete herzuſagen.

So blieben ſie bis zur achten Stunde der Nacht, wo ſie zu beichten verlangten und die Meſſe hörten, während der ſie das heilige Abendmahl genoſſen. Dann machte Beatrice, durch dieſe heiligen Vorbereitungen zu demu⸗ thigern Gefühlen geſtimmt, ihre Stiefmutter darauf auf⸗ merkſam, daß es nicht ſchicklich ſei auf dem Schafott in ſchönen Kleidern zu erſcheinen. Sie verlangte daher zwei Anzüge, einen für Signora Lucrezia, den andern für ſich ſelbſt, welche nach Art der Nonnenkleidungen gefertigt ſein ſollten, das heißt: bis an den Hals heraufgehend und