Teil eines Werkes 
1. Bd. (1847)
Entstehung
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Die Familie Cenci.

ſich nach Monte Cavallo zu begeben, wo er am folgenden Morgen einen Cardinal weihen ſollte. Aber ſchon am nächſten Tage, nämlich Freitags den 10. September 1599, ließ er um acht Uhr Morgens Monſignor Taverna, den Gouverneur von Rom, zu ſich kommen und ſagte zu ihm:

Wir übergeben die Sache der Cenci Euren Händen, Monſignore, zamit in derſelben von Euch gethan werde was Rechtens iſt, und dies ſo bald als möglich.

Monſignor Taverna verließ ſogleich Seine Hei⸗ ligkeit, und nachdem er in ſeinen Palaſt zurückgekehrt war, ließ er eine Verſammlung aller Criminalrichter der Stadt berufen und in dieſer Verſammlung wurden die Cenci zum Tode verurtheilt. 1

Das Endurtheil wurde ſogleich bekannt, und da dieſe unglückliche Familie eine immer wachſende Theilnahme ge⸗ wann, eilten viele Cardinäle die ganze Nacht, theils zu Pferde, theils zu Wagen umher, um wenigſtens ſo viel zu erreichen, daß das Urtheil an den Frauen geheim und im Gefängniſſe vollſtreckt, und daß Bernhard, ein un⸗ ſchuldiger Knabe von funfzehn Jahren, der, obgleich er gar keinen Antheil an dem Verbrechen genommen hatte, doch in der Verurtheilung mit begriffen war, begnadigt würde. 3

Die meiſte Mühe gab ſich in dieſer Abſicht der Car⸗ dinal Sforza, der aber dennoch nichts von Seiner Heiligkeit erlangte, nicht einmal die leiſeſte Hoffnung. Fa⸗ rinacci allein, indem er einen Gewiſſensſerupel weckte, brachte den Papſt dahin, daß er Berardino das Leben ſchenkte, und dies nicht eher als am Sonnabend Morgen, nach langen und inſtändigen Bitten.

Aber ſchon hatten ſich ſeit dem geſtrigen Tage die Brü⸗ 12*