176 Die Familie Cenci.
heiligen Vater zu Füßen und baten ihn inſtändig, ſein Urtheil zu widerrufen oder den Verbrechern wenigſtens zu erlauben, ihre Vertheidigung einzureichen.
„Und haben ſie denn ihrem unglücklichen Vater Zeit gelaſſen ſich zu vertheidigen,“ antwortete Clemens VllI., „als ſie ihn ſchändlicherweiſe und ohne Mitleiden er⸗ mordeten?“
Endlich aber wurde er durch ſo viele Bitten beſiegt und bewilligte drei Tage.
Sogleich bemächtigten ſich die beſten und berühmteſten Advocaten Roms dieſer erſchütternden Sache; ſie ſetzten Denkſchriften und Vertheidigungen auf und erſchienen da⸗
mit am feſtgeſetzten Tage vor dem heiligen Vater.
Der erſte, welcher ſprach, war Nicolaus degli Angeli, und ſchon vom Anfange ſeiner Rede an legte er eine ſolche Beredtſamkeit in ſeine Worte, daß man aus dem Beben der Anweſenden den Antheil errieth, den ſie an den Verbrechern nahmen. Der Papſt erſchrak über dieſe Wirkung und unterbrach den Redner.
„Alſo,“ ſagte er,„es ſoll unter dem Adel Leute geben, die ihren Vater ermorden, und unter den Advocaten ſoll es Männer geben, die ſie vertheidigen? Das hätten wir nie geglaubt, das hätten wir ſelbſt nie vermuthet!“
Auf dieſe ſtrenge Anrede des Papſtes ſchwiegen Alle, ausgenommen Farinacci, welcher bei dem Gedanken an den geheiligten Auftrag, den er uͤbernommen, mit Ehr⸗ erbietung aber Feſtigkeit antwortete:
„Allerheiligſter Vater! wir ſind nicht hierher gekommen, um die Verbrecher zu vertheidigen, ſondern um die Un⸗ ſchuldigen zu retten; denn wenn es uns gelingt zu be⸗ weiſen, daß einige der Angeklagten im Falle geſetzmäßiger Vertheidigung gehandelt haben, ſo hoffe ich, daß dieſe in
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