Teil eines Werkes 
1. Bd. (1847)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Der Seeräuber Vane. 109 von fern Land, der Wind ſchien ſich wieder etwas zu legen und ſie griffen ſogleich wieder nach den Rudern. Die Hoffnung kehrte in ihre Herzen zurück. Während der Nacht aber wüthete der Sturm ſo heftig, daß ſie ſich wie⸗ der bloß mit Pumpen beſchäftigen mußten. Als der Tag anbrach, bemerkten ſie vor ſich einen breiten Streifen weißen Schaumes, der ihnen nur zu deutlich ſagte, daß ſie auf Klippen zugetrieben würden. Auf dieſe flog die Schaluppe mit unwiderſtehlicher Gewalt los. Immer näher kamen ſie dem verhängnißvollen Schaume, jetzt flog das Fahrzeug mitten hinein und— zerſchellte an einem hervorragenden Felſenriff. Die Schiffbrüchigen legten ſich auf's Schwimmen, wurden aber mehrfach an die Felſen geſchleudert und furcht⸗ bar zerriſſen. Dennoch lebten beide noch und wurden von den Wellen über das Klippenmeer hinausgetragen. Es war nur noch eine kurze Strecke bis an die Küſte und Vane hatte ſchon Fuß gefaßt, als Dikam, welcher durch den Blutverluſt am meiſten gelitten hatte, mit einer letzten Anſtrengung den Kopf noch einmal über das Waſſer em⸗ porhob und ſeinem Unglücksgefährten zurief:„Lebt wohl, Capitän!“ Dieſem fiel es wie ein Stein auf's Herz, daß er an der öden Küſte allein ſein ſollte; er nahm ſeine letzte Kraft zuſammen, ſchwamm zu Dikam hin, ergriff ihn bei den Haaren und ſchleppte ihn an's Ufer, wo gleich darauf Beide völlig erſchöpft und ohnmächtig nieder⸗ ſanken.

Als die Elenden die Augen wieder aufſchlugen, war es lichter Tag und der Sturm vorüber, aber ſie fühlten ihre zerfleiſchten Glieder feſt geknebelt und ſahen zwanzig ſcheußliche Geſtalten wilder Männer und Weiber unter furchtbarem Geheul um ſie hertanzen. Jetzt begriffen ſte, daß ſie dem ſchauderhafteſten Tode entgegengingen. Di⸗