Der Seeräuber Vane. 107
der andern Seite ſtand der gräßliche Vane mit der Lunte vor einer offnen Pulvertonne und war ſeinem Charakter nach ſehr wohl im Stande das Schiff mit Mann und Maus in die Luft zu ſprengen. Der Steuermann lief in ſeiner Angſt nach der Pulverkammer und bat den Capitän flehentlich um Verzeihung. Dieſer befahl ihm ſich ſchnell zurückzuziehen. Kaum hatte dieſer den Rücken gewendet, ſo erſcholl auf dem franzöſiſchen Schiffe das Signal zum Feuern. Sogleich legte Vane die Lunte mit dem unan⸗ gezündeten Ende an das Faß, ſo daß die Erploſion nach ein paar Minuten ſtattfinden mußte, ſchwang ſich ſodann auf den Backbord, ließ ſich an einem Tau in die Scha⸗ luppe hinab und ruderte mit ſeinem Lieutenant aus Lei⸗ beskräften vorwärts, ſo daß fie immer mit dem Tiger und dem feindlichen Schiffe eine gerade Linie bildeten.
Jetzt krachte auf dem franzöſiſchen Kriegsſchiffe der Don⸗ ner des Geſchützes zum zweiten Male und richtete den Tiger fürchterlich zu. Wohl ſahen die Piraten ihren feigen Häuptling mit ſeinem ebenſo feigen Lieutenaut ent⸗ fliehen; allein ſie verloren deshalb den Muth nicht; da ſie keine ruckgängige Bewegung machten, ſo hat man geſchloſſe daß ſie ſich eben fertig machten, den Gruß der Franzoſen nach Möglichkeit zu erwiedern: da aber ſahen die Fran⸗ zoſen plötzlich eine lange Feuerſäule in die Lüfte ſteigen, die oben mit ungeheurem Gekrach auseinander fuhr. Augenblick ſpäter war das Meer mit Leichen und Sch trümmern bedeckt.„Die Schurken erſparen uns die Hand⸗ habung der Juſtiz,“ ſagte der franzöſiſche Commandant; „ſehen wir indeſſen was noch zu retten iſt.“ Jedoch waren alle aufgefundenen Räuber todt und die unermeßlichen Schätze des Piratenhäuptlings jedenfalls am Boden des Meeres.—


