Teil eines Werkes 
1. Bd. (1847)
Entstehung
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Der Seeräuber Vane. 105

ganz Tag war, erhob er ſich eben verdrießlich von ſeinem Lager, als plötzlich die Maſtkorbwache herabrief:„Ein Segel! Unter dem Winde! Auf uns zu!“ Vane und die ganze Schiffsmannſchaft war wie der Blitz auf dem Verdeck.

Mit wahrer Herzensfreude glaubte der grauſame Cor⸗ ſar mit dem Fernrohre in der Hand eins jener ſchwer⸗ fälligen Schiffe der oſtindiſchen Compagnie zu entdecken, die ihm ſchon ſo oft reiche Beute geliefert hatten. Er ließ ſogleich die ſchwarze Flagge aufziehen und eine Ka⸗ none auf das unbeſorgt herannahende Schiff abfeuern und beobachtete es fortwährend aufmerkſam, um zu ſehen, wie ſchnell die Leutchen da drüben die Flagge ſtreichen würden. Dies geſchah aber freilich nicht, ſondern das nun ſchon ziemlich nahe gekommene Fahrzeug hißte die franzöſiſche Flagge auf, wendete ſich wie der Blitz auf die Seite und beantwortete den Kanonenſchuß des Piraten durch eine volle Lage des ſchweren Geſchützes, wodurch ein Theil des Takel⸗ werkes auf dem Tiger zerriſſen wurde. Zugleich bedeckte ſich das ſtarke franzöſiſche Kriegsſchiff(denn ein ſolches war es allerdings) immer mehr mit Segeln, um den See⸗ räuber ſo ſchnell als möglich zu züchtigen.

Vane hatte ein Zaſammentreffen mit einem großen Kriegsſchiffe immer klüglich zu vermeiden gewußt und ver⸗ kannte auch die Gefahr keineswegs, worin er mit ſeinen Leuten in dieſem Augenblicke ſchwebte. Er rief dieſe ſchleu⸗ nigſt zuſammen und hielt eine Art Kriegsrath mit ihnen, ſagte jedoch als Chef ſeine Meinung zuerſt, welche darin beſtand, daß man ſo hurtig als möglich alle Segel bei⸗ ſetzen müßte, um dieſem furchtbaren Feinde zu entgehen.

Auf dieſe Worte erhob ſich zuerſt ein kurzes Murren, dann unterſchied man Stimmen:„Das iſt feig!“ und der Steuermann, welcher von Vane ein paarmal barſch