Der Seeräuber Vane. 103
terſten Verwürfe, während Vane mit ſeinen Spießgeſellen ſchon Meiſter des Schiffes war.„Freiheit! Freiheit!“ ſchrie Vane der 20 Mann ſtarken Beſatzung der Cor⸗ vette zu;„aus Sklaven mache ich euch zu Freiherren, aus Bettlern zu Königen!“ Die bereits gewonnenen Matroſen der Corvette riefen vor dem Angeſicht ihres Capitäns: „Es lebe Capitän Vane! Ihn wollen wir haben!“ Das Schiff war erobert.
Vane hatte bisher mit dem beſten Erfolg gezeigt, welche Ueberredungsgabe ihm beiwohne; nachdem nun kein Widerſtand mehr zu beſorgen war, trat er mitten unter das Schiffsvolk und ſprach:
„Nicht eitle Prahlereien ſind es, die mich ſo ſprechen ließen, als ich das Schiff betrat, deſſen Leitung ich von dieſem Augenblicke an üͤbernehme. James Dikam wird vor der Hand mein Lieutenant ſein, doch kann ſich jeder durch ſeine Verdienſte, durch Muth und Geiſtesgegenwart zu dieſer Würde emporſchwingen. Lebensmittel und Geld, kurz alles was ſich euer Herz nur wünſchen mag, das ſoll euch alles reichlich zu Theil werden. Iſt aber jemand unter euch, dem es nicht anſteht reichen Leuten ihren Ueberfluß abzunehmen, um ihn unter die Dürftigern zu bringen, der ſage es offen; er kann ſich ungekränkt an's Land begeben und in Valladolid eine Gelegenheit abwarten nach Europa zurückzukehren; denn wer da bleibt, der muß mir Treue ſchwören bis in den Tod! Ich frage alſo noch⸗ mals.“
„Leben Sie wohl,“ ſagte der frühere Capitän fort⸗ gehend, der ſich von ſeinem Schrecken wieder in etwas er⸗ holt hatte;„wie ich durch Ueberfall mein Schiff, ſo wer⸗ den Sie durch Ueberfall Ihr Leben verlieren; wie man ſündigt, ſo wird man geſtraft.“


