Teil eines Werkes 
1. Bd. (1847)
Entstehung
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Die eiſerne Maske. 93

Endlich haben noch andre Leute geltend zu machen ge⸗ ſucht, der Mann mit der eiſernen Maske ſei ein Sohn der Anna von Oeſtreich und des Cardinals Mazarin gewe⸗ ſen. Allein es iſt zu notoriſch, daß dieſer Cardinal erſt ziemlich ſpät mit der Königin Anna bekannt wurde, daß dieſe, ſeit ſie mit ihm umging, keine geheime Niederkunft gehabt haben konnte, weil ſie bis zu Ludwig's XIV. Ge⸗ burt keine Krankheit wieder vorgab, daß aber ein gegen oder über ein Jahr nach Ludwig's XIII. Tode geborener Prinz von Seiten Ludwig's XIV. nicht die überaus ſchar⸗ fen Maßregeln nöthig gemacht hätte, welche dieſer König gewiß nicht ohne hinlänglichen Grund ergriffen hat.

Als im Jahr 1789 das Volk die Baſtille eroberte, wur⸗ den alle Gemächer, Keller, Kiſten und Käſten durchſucht und man fand auch das Regiſter derjenigen, welche von je her in dieſem Staatsgefängniſſe geſeſſen hatten.

Beim Jahr 1698 fand ſich darin eine Lücke, indem auf das Blatt 119 unmittelbar das Blatt 121 folgte. Mit dieſem 120. Blatte iſt jedenfalls das gerichtliche Verhör verloren gegangen, welches man mit dem Herrn von St. Mars damals angeſtellt hat. Beim Jahr 1703 ſteht freilich nur, daß der Gefangene Marchiali Montags den 19. November geſtorben und am folgenden Tage auf dem St. Pauls⸗Kirchhofe beigeſetzt worden ſei.

Nach dieſen letztern Betrachtungen und der treuen ihnen vorausgehenden Geſchichtserzählung wird es wohl allen un⸗ ſern Leſern klar geworden ſein, daß der Mann mit der ei⸗ ſernen Maske kein andrer ſein konnte als der unglückliche Sohn des ſtolzen und eitlen Herzogs von Buckingham und der ſchönen Spanierin Anna von Oeſtreich, der aber leider zu einer Zeit geboren ward, wo Ludwig XIII. ſeit mehrern Jahren keine eheliche Gemeinſchaft mit ihrem