Teil eines Werkes 
1. Bd. (1847)
Entstehung
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Die eiſerne Maske. 77

„Du biſt groß und edel. Dir allein darf ſich das Mutterherz vertrauen. Da mich aber ein Geheimniß von der äußerſten Wichtigkeit in meinen letzten Augenblicken darniederdrückt, ein Geheimniß, welches auch Dich angeht, mein Sohn, ſo muß ich Dir einen heiligen Eid abnehmen, es niemandem in dieſer Welt zu offenbaren. Schwörſt du mir das in meiner Todesſtunde?“ fügte ſie mit den letzten Thränen in ihren Augen hinzu.

König Ludwig war gerührt. In feierlichem Tone rief er aus:

„Ja, königliche Mutter, dies ſchwöre ich, ſo wahr ich ein ehrlicher Mann bin.“

Nach kurzer Pauſe begann die ſterbende Anna von neuem:

„Mein Geheimniß betrifft eine Perſon. Schwörſt Du mir auch dieſelbe am Leben zu erhalten, mit allen Dingen reichlich zu verſehen und ihre etwaigen Rechte bei Deinen Lebzeiten und auch für den Fall Deines Todes ge⸗ wiſſenhaft zu wahren?“

„Hierin finde ich nichts, was gegen meine Pflicht als Menſch oder König verſtoßen könnte,“ antwortete der Kö⸗ nig;„ich ſage auch das mit feierlichem Eide zu.“

Nach einer etwas längeren Pauſe hub die Mutter von neuem an:

„Du haſt noch einen ältern Bruder; er ward aus dem Schloſſe Pignerol weggeführt und befindet ſich jetzt in der Burg auf der Margaretheninſel. Er iſt Dein ganzes Eben⸗ bild und darf ſich alſo während Deiner Lebenszeit nicht öffentlich zeigen; Du wirſt... ich hoffe... Herr mein Gott...l

Dies waren Anna's letzte Worte. Der Köoͤnig rief ſogleich die Aerzte herbei, welche über dieſen Todesfall