Teil eines Werkes 
1. Bd. (1847)
Entstehung
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76 Die eiſerne Maske.

„Habe ich nichts geſehen.“

Nachdem ſich St. Mars völlig von der Wahrheit dieſer letzten Ausſage überzeugt hatte, ſchickte er den jungen Menſchen(es war der Sohn eines ſeiner Freunde) in ſeine Heimath mit einem Briefe an deſſen Vater zurück, worin es unter andern hieß:

„Es hätte nicht viel gefehlt, ſo wäre Deinem Sohne eine gewiſſe Unbeſonnenheit theuer zu ſtehen gekommen. Ich ſende ihn Dir daher zurück aus Beſorgniß ihn noch⸗ mals einen unklugen Streich machen zu ſehen.“

Nach dieſem kleinen Ereigniß vergingen wieder mehrere Jahre bevor etwas Bedeutendes das einfache Leben des er⸗ lauchten Gefangenen unterbrach. Erſt am Morgen des 20. Januars 1666, als Anna von Oeſtreich, ſeine un⸗ glückliche Mutter, in den letzten Zügen lag, erreignete ſich im Louvre zu Paris ein Umſtand, welcher nicht ohne Ein⸗ fluß auf die Margaretheninſel blieb.

Die Königin Mutter hatte 8 Jahre lang aus übel ver⸗ ſtandner Citelkeit vor aller Welt ein Krebsgeſchwür an ihrer Bruſt verheimlicht und auch die heftigſten Schmerzen mit einer Art von Heldenmuth ertragen. Jetzt endlich, da ſie wohl merkte, daß ihr Leiden eine Dyskraſie aller ihrer Säfte verurſacht hatte und ihrem Leben ſchleunig ein Ende zu machen drohte, jetzt entdeckte ſie ſich ihrem vertrauten Leibarzte. Es war zu ſpät. Der Arzt empfahl ihr für einen möglichen unglücklichen Fall ihr Zeitliches zu ord⸗ nen und an das Ewige zu denken.

Da raffte ſie ſich noch einmal zuſammen und ließ ihren königlichen Sohn Ludwig XIV. zu ſich zu entbieten, alle Uebrigen aus dem Sterbezimmer entfernend. Kaum ſah ſie ſich mit ihm allein, ſo ſprach ſie mit ſchwacher und oft er⸗ ſtickter Stimme:

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