Die eiſerne Maske.
wofern er nicht auf eine unzeitige Freiheit gerichtet iſt, auf das gewiſſenhafteſte zu erfüllen. Haben Sie daher die Gnade Ihre Wuünſche ſtets frei und rückhaltslos gegen mich auszuſprechen. Um ſelbige entgegenzunehmen, werde ich jede Stunde einmal in Ihr Zimmer zu kommen mir die Freiheit nehmen.“
Hierbei verbeugte ſich St. Mars und ließ den un⸗ glücklichen Marchiali allein im Zimmer.
Um die Geſchichte dieſes berühmten Gefangenen, welchen man nur den Mann mit der eiſernen Maske oder auch ſchlechtweg die eiſerne Maske nennt, nicht ungebührlich auszudehnen, ſagen wir von ſeiner Lebensweiſe auf dem Schloſſe Pignerol nur etwas im allgemeinen. Der Gefangene, welcher ſchon früher die feinſte Wäſche getragen hatte, be⸗ hielt auch jetzt in ſeiner Einſamkeit den Hang ſich immer überaus ſchmuck zu kleiden. Es ſchien das ein Erbſtück von ſeiner königlichen Mutter zu ſein.
Ferner ſpeiſ'te er äußerſt fein, hatte eine ausgeſuchte Bibliothek und ſpielte mit ausnehmender Fertigkeit die Zit⸗ ter. Unter Beſchäftigungen mit der Literatur und Muſik verging ein Tag nach dem andern, ein Monat nach dem andern, ohne daß etwas beſonders Merkwürdiges vorge⸗ gangen wäre.
In der Abenddämmerung pflegte Marchiali mit der eiſernen Maske vor dem Geſicht und in Begleitung des Herrn St. Mars im Schloßhofe ſpazieren zu gehen, und bei einer ſolchen Gelegenheit geſchah allerdings einmal et⸗ was Erwähnenswerthes. Es wehte nämlich eines Abends eine etwas kalte Schneeluft und Marchiali mochte ſich wohl etwas zu leicht gekleidet haben; er erkältete ſich. Da nun bis jetzt außer dem Schloßcommandanten, welcher ſei⸗ nen Gefangenen auch ſtets perſönlich mit allen Nothwen⸗
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