Teil eines Werkes 
1. Bd. (1847)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Die eiſerne Maske.

„Weiß der König das Geheimniß?“

„Einen Theil davon hat der Cardinal Mazarin mir vertraut und den andern mit ins Grab genommen.“

„Wenn ich ein heiliges Verſprechen ablegte...“

„Ihre erhabene Mutter iſt ſeit dem Tode des Cardinals ohne Einfluß; der König hat ſelbſt zu regieren begonnen; die Letellier, Louvois und Colbert ſind ihm zuge⸗ thaner als es die Richelieu und Mazarin ſeinem Va⸗ ter jemals waren. Bei den noch nicht geſtillten Unruhen tödtet der bloße Verdacht. Sparen ſie ſich auf beſſere Zei⸗ ten, mein Prinz!“

„Welche Ausſicht könnte ich Unglücklicher haben, da der König ſo jung und außerdem noch ein andrer Bruder von mir vorhanden iſt?“

„Ihre königliche Mutter bewahrt die vollgültigſten Zeug⸗ niſſe Ihrer Geburt auf und iſt entſchloſſen beim etwaigen Tode des Königs Sie auf den Thron zu berufen.“

„Könnte ſie das, da Mazarin nicht mehr iſt?“

„Sie würde es in dieſem Falle durchſetzen, weil Phi⸗ lipp... doch alles dies hat noch Zeit, und ich führe es bloß an, mein Prinz, um Sie an Geduld und Klugheit zu mahnen.“

Nach dieſen Worten verbeugte ſich St. Mars, ent⸗ fernte ſich einen Augenblick und kam dann mit einer Schach⸗ tel zurück, die er mit einem Seufzer auf den Marmortiſch unter dem koſtbaren Spiegel ſetzte. Der Gefangene lehnte nachdenklich im Fenſter und betrachtete, wie es ſchien, nicht ohne Wohlgefallen die erhabene Alpennatur. St. Mars wagte ihn nicht zu ſtören und blieb ruhig am Pfeilertiſche ſtehen. Endlich drehte ſich der Prinz um und ſprach mit ſeiner gewöhnlichen ſanften Stimme:

„Ein ſchoͤnes Land, mein Herr, das ich noch niemals