Die eiſerne Maske. 69
verneur der Feſte Pignerol. Er gab der Garniſon ſeine Befehle und ließ ſeinen einzigen Gefangenen mit vieler Sorgfalt in ein geräumiges Zimmer mit ſchöner Ausſicht in die Gebirge tragen. Hier angelangt, verbeugte ſich der Gouverneur St. Mars vor ihm nnd ſprach:
„Meine Vorgeſetzten haben mir nicht geſagt wer Sie ſind. So lange dies nicht geſchieht, darf ich es auch nicht wiſſen. Indeſſen iſt es mir erlaubt Ihnen zu ſagen, daß Ihre frappante Aehnlichkeit mit einer hohen Perſon be⸗ ſondre Maßregeln nöthig macht.“
„Ich kenne dieſe hohe Perſon; es iſt König Ludwig XIV.,“ ſagte Marchiali.
„Wenn Sie das wiſſen, darf ich auch hinzufügen, daß Sie entweder nie oder nur maskirt die freie Luft im Schloß⸗ hofe genießen dürfen.“
„Was fürchtet man doch?“ fragte der Gefangene;„bin ich nicht wenigſtens 15 Jahre älter als der König?“
„Eben deshalb,“ antwortete St. Mars;„wie, wenn Sie ſich für einen Sohn Anna's von Oeſtreich, für einen aͤltern Bruder Ludwig's XIV., für den rechtmäßigen König ausgäben? Haben Sie nicht bereits einmal eine Menge Volks um ſich verſammelt?“
„Herr, mein Gott!“ rief Marchiali;„ſetzt begreife ich, daß das Geräth dieſes Zimmers und mein Sarg ein⸗ ander berühren!“
„Noch nicht. Man kennt weder die Ereigniſſe im Frie⸗ den noch die des Kriegs.“
„Warum hat mich mein Vater Ludwig XLIII. verſtoßen? Schlug im Buſen der Mutter kein Herz?“
„ Als der Herzog von Buckingham durch einen Fana⸗ tiker ermordet worden war, ſiel Ihre Mutter in Ohnmacht.“


