68 Die eiſerne Maske.
tete man den Gefangenen, daß er ſich beim Ausſteigen ſtets werde die Augen verbinden laſſen müſſen, weil er— ein Staatsgefangner ſei, der für eine gewiſſe Zeit den Augen der Welt entzogen werden ſolle. Jetzt ſtieg der bereits erwachte Unwille bei Marchiali ſo hoch, daß er kein Wort mehr ſprach, auf die Zukunft und ſeine Er⸗ findungsgabe vertrauend. Noch ſechs Tage lang dauerte die Fahrt. Zuletzt war man hohe Berge paſſirt, Schnee⸗ luft hatte von den Gipfeln geweht. Am ſiebenten Tage mußte ſich der Gefangene mit verbundenen Augen in eine Sänfte ſetzen. Nachdem man etwa noch ein paar Stünd⸗ chen aufwärts gegangen und die Binde wieder gefallen war, gewahrte Marchiali durch ein hinten angebrachtes Fen⸗ ſterchen eine lange Fichtenallee, an deren Ende ſich ein altes ſtarkes Schloß zeigte. Um die Sänfte die Weiße des Schnees und in geringer Entfernung das mit dem finſtern Grün der Tannen umgebene ſchwarzbraune Gebände machten auf den Gefangenen einen gewaltigen Eindruck. Das Ge⸗ nauere über dieſen Zuſtand hat Regnault⸗Warin ver⸗ rathen, wenn er ſagt:
„Eine doppelte Steinmauer und folglich auch zwei Grä⸗ ben umgaben die Citadelle, vor undenklichen Zeiten erbaut und durch Franz IJ. wiederhergeſtellt, der ſie ſich zu einem Zufluchtsort in ſeinen italiäniſchen Kriegen auswählte. Mas las noch an verſchiedenen Stellen die Chiffre dieſes galanten und liebenswürdigen Ritters; es war ein F mit einem 8. verſchlungen; Marchiali glaubte, daß dieſer letztere Buchſtabe den Namen der ſchönen Spinola an⸗ zeigte, jener berühmten Genueſerin, deren Geiſt noch mehr als ihre Reize den Monarchen gefeſſelt hatte.“
„Der Officier in Civilkleidung, welcher mit Mariali in der Sänfte ſaß, war, wie er nun wohl ſah, der Gou⸗


