Die eiſerne Maske. 65
nito bleiben wollen, ſo beuge ich mich Ihrem Wunſche und ſchweige...“
Verdrießlich über die ſonderbare Grille des Gaſtwirthes verließ Marchiali das Zimmer, konnte ſich aber doch nicht enthalten, ein in der Gaſtſtube hängendes Bild des dreiundzwanzigjährigen Königs genauer zu betrachten. Ja, es war die auffallendſte Aehnlichkeit vorhanden.„Und warum,“ dachte er bei ſich,„warum ſagte mir Beaulieu vor, er ſei mein Vater, die Chäteau⸗neuf meine Mut⸗ ter, bis ich durch die Verwandten der letztern ſelbſt erfuhr, daß ſie nur meine Erzieher waren? Warum ſtellte man mir meine rechte Mutter trotz allen meinen Bitten niemals vor, da ich doch ihre Briefe entdeckt hatte? Sollte der Schlüſſel zu dieſem Geheimniſſe nicht am Hofe zu ſuchen ſein?“
Er begab ſich mit Beaulieu, welcher nichts Arges ahnte, in die Hauptſtadt und verglich zunächſt die Bildniſſe des Königs, welche in allen Kunſthandlungen aushingen. Insgeſammt waren ſie ihm täuſchend ähnlich. Er ſuchte nun Gelegenheit den König ſelbſt zu ſehn, ward aber von Beaulieu daran verhindert. Deſto begieriger ward er. Am andern Morgen vor Tagesanbruch wollte der Alte aufbrechen und fand zu ſeinem höchſten Schrecken das Bett Marchiali's leer. Augenblicklich lief er nach dem Louvre, ſich an das Streben ſeines Begleiters vom vorigen Tage erinnernd. Hier fand er ihn umgeben von einer Maſſe Volks und konnte kaum bis zu dem durchdringen, den er ſuchte.
„Beim Himmel,“ raunte er ihm in's Ohr,„keine Un⸗ beſonnenheit oder Sie ſind verloren! Folgen Sie mir augenblicklich!“
Von dieſer Scene war Mazarin unterrichtet worden. 5


