64 Die eiſerne Maske.
gen Menſchen ſeiner Abgeſchiedenheit zu entreißen. Seine Aehnlichkeit mit ihr, welche Beaulieu in ſeinen Geheim⸗ ſchreiben gar nicht genug preiſen konnte, hatte ſie zu dem Befehl vermocht, den Charles Marchiali nicht über die Mauern des Schloßparkes herausgehen zu laſſen. Obgleich nun auch ihr zweiter Sohn ihr bald auffällig ähnelte, ſo wagte ſie es doch, ihren Erſtgebornen unter der ſtrengſten Aufſicht des getreuen Beaulieu einige Reiſen machen zu laſſen. Dies hatte auf den Geiſt des talentvollen Jüng⸗ lings die erwünſchteſten Folgen. Er reifte zum völlig durchgebildeten Manne heran.
Nachdem ſeit Richelieu's Tode zwei Decennien ver⸗ floſſen waren, fühlte ſich auch Mazarin dem Tode nahe. Bevor er aber ſtarb, machte er noch eine ganz eigne Ent⸗ deckung, von der hier ausführlicher geredet werden muß.
Marchiali, bereits 35 Jahre alt, war auf ſeinen vielfachen Reiſen einmal nach Verſailles gekommen, wo er mit Beaulieu in einem vornehmen Gaſthauſe übernach⸗ tete. Am andern Morgen ging Letzterer einen Gang in die Stadt und der Gaſtwirth brachte unterdeſſen die Rech⸗ nung. Als dieſer ſeinen Gaſt genauer in Augenſchein nahm, entfiel ihm das Papier und er konnte vor Staunen oder Schrecken kein Wort ſagen. Marchiali fragte nach der Urſache dieſes Benehmens. Nun hielt ſich der Gaſt⸗ wirth nicht mehr. Mit tiefer Verbeugung ſprach er:
„Auch die Stimme iſt es! Ich habe Ew. Majeſtät lange nicht geſehen.“
„Was begehen Sie für eine Thorheit!“ ſagte Mar⸗ chiali, der ihn für verrückt hielt;„hier giebt es keine Majeſtät; mein Beutel iſt dafür zu dünn.“
„Ach, Sire,“ fuhr der Gaſtwirth fort,„keine Verſtel⸗ lung wird Ihnen helfen. Doch da Sie in Ihrem Incog⸗


