Die eiſerne Maske.
als die Herzogin eine Verbeugung machte und ſich wieder zur Marquiſe ſtellte, welche indeſſen vor Aerger bald ver⸗ gangen war. Sie wollte eben ihr abgebrochenes Geſpräͤch fortſetzen, als Anna ſelbſt herankam und an verſchiedene Hofdamen freundliche Worte richtete. Dann rief ſie die Frau von Motteville und ging mit ihr in ein Seiten⸗ cabinet.
2.
Nur kurze Zeit war die Königin abweſend. Sie hatte einen türkiſchen Shawl übergehängt und weißſeidne mit den lebhafteſten Blumen kunſtreich geſtickte Handſchuhe angezogen, entließ die meiſten ihrer Hofdamen und behielt nur die vier Kammerfrauen bei ſich, welche der Rang traf ſie zu bedie⸗ nen. Es ſchien als ob ſie die Gartenluft, obgleich ſie ziemlich kühl war, ein wenig genießen wollte, als plötzlich ein blau und weiß gekleideter Page für ſeinen Herrn, den Cardinal von Richelieu, um eine Audienz bat.
Wie unvermuthet dieſes Geſuch auch kommen mochte, die Königin kam durchaus nicht aus der Faſſung.
„Seine Eminenz iſt ſtets willkommen!“ ſagte ſie.
Die Kammerfrauen blickten einander furchtſam an, die Frau von Mottevile ſtellte ſich hinter eine Säule, ſo daß ſie nur den Platz ſehen konnte, welchen wahrſcheinlich die Königin einnehmen mußte.
Die Flügelthüren thaten ſich auf und herein trat der wider ſeine Gewohnheit ganz ſchwarz gekleidete Cardinal Richelieu, äußerſt fein in allen ſeinen Bewegungen, bekanntlich ein Meiſter in der Sprache und Verſtellungs⸗ kunſt. Er war nur mittler Statur und aus ſeinem la⸗
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