Teil eines Werkes 
1. Bd. (1847)
Entstehung
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Die eiſerne Maske. 11

Ein kurzer und ganz eigenthümlicher Beſuch! be⸗ merkte die Herzogin.

Ach, und doch, antwortete Anna im vollſten Aerger, kenne ich noch weit unerträglichere Viſiten, die mir der König in den erſten Jahren nach meiner Vermählung ab⸗ ſtattete und die leider keine erfreulichen Folgen hatten. Wenn er nur ein etwas bekleidetes Gerippe wäre, in deſſen Geſellſchaft man das Riechfläſchen miſſen könnte! Ich meine, ſetzte ſie ſchnell hinzu,um nicht vor Kummer über ſeine anzüglichen Reden in Ohnmacht zu ſinken.

Es iſt nicht der Fehler Ewr. Majeſtät, wenn Sie einen Gemahl nicht lieben können, welchen das Band einer grau⸗ ſamen Politik an Sie knüpfte. Ich wage zu behaupten, daß ſein Benehmen bei dem Beſuch, welchen er Ihnen ſo eben abſtattete, gegen die Achtung verſtieß, die er Ihrem Geſchlecht und Ihrem Range ſchuldig war. Wie glücklich würde ſich der liebenswürdige Chalais gefühlt haben, einen Augenblick an des Königs Platze zu ſein.

Der arme Marquis! warf Anna hin;trotz ſeinem geſchmeidigen Weſen wird er nicht alle vom Cardinal be⸗ zahlte Verräther feſſeln! Wie ſollte mich ſein ſchöner Kopf dauern!

Laſſen Sie mich ſorgen, meine Allergnädigſte! Wenn der Cardinal Verräther bezahlt, ſo werden dieſe Herzen haben! Uebrigens iſt dabei nicht zu vergeſſen, wie tief ſich unſer Marquis in das Vertrauen des Königs einzuſchlei⸗ chen gewußt hat...

Gut, meine Freundin, ſagte die Königin mit einer Bewegung ihrer rechten Hand nach der Geſellſchaft der Da⸗ men hin,dort ſcheint es lebendig zu werden. Sehen Sie doch gefälligſt nach.

Kaum hatte die Königin dieſe Worte ausgeſprochen,