Teil eines Werkes 
1. Bd. (1847)
Entstehung
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Die eiſerne Maske. 7

Das wiſſen Sie allerdings, fiel die Herzogin ein, und eben dieſer Umſtand würde mir, falls mich ein Un⸗ glück beträfe, einigen Troſt gewähren. Daher kann ich Ihnen unbedenklich noch weiter mittheilen, daß die Köni⸗ gin ſich bei ihrem Gemahl nicht bloß nach dem 46jährigen Baſſompierre ſondern auch nach dem mehr als 50 jäh⸗ rigen Bellegarde zu erkundigen gedenkt. Iſt man nicht mehr ſchön, ſo kann man es doch geweſen ſein. Wenn Ihre eigne Blüthenzeit nicht zu weit rückwärts ſiele, ſo könnten Sie der Königin vielleicht eine unangenehme Nach⸗ forſchung erſparen.

Dieſer Ausfall war zu direct um nicht erwidert zu wer⸗ den. Die etwas welk gewordenen Lippen der Marquiſe itterten merklich. Indeſſen nahm ſie ſich zuſammen und ſagte:

Höchſt wahrſcheinlich haben Sie die Königin mißver⸗ ſtanden; da es eine Intrigue zu betreffen ſcheint, ſo wird ſie Ihnen indirect den Auftrag zu Nachforſchungen gege⸗ ben haben, nur daß ſie freilich von Ihnen nicht begriffen worden iſt.

Den Hieb verbeißend, ſuchte die Herzogin nach einem Stückchen Seidenpapier, hielt es, von der Königin abge⸗ wandt, der Marquiſe vor die Naſe und ſprach:

Wenn dieſes Madrigal an unſre Herrin nicht von Bellegarde iſt, ſo muß es wenigſtens ein Mann mit ebenſo antikem Stutzbart und ebenſo geſchmackloſer Halskrauſe gemacht haben; übrigens iſt es Ihnen doch etwa zufällig bekannt geworden, daß er ein großer Dichter iſt und noch ganz kürzlich ein Epigramm auf Ihre glückliche Abreiſe nach Verneuil gemacht hat, wo Sie, nach ſeinem bos⸗ haften Ausdruck, jemanden für ſich niederkommen laſſen wollten, da Sie es ſelbſt nicht mehr könnten.