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quiſe von Verneuil und die glänzende Herzogin von Chevreuſe, vormalige Wittwe des verſtorbenen Kronfeld⸗ herrn von Luynes, ragten unter den im Zimmer befind⸗ lichen Hofdamen hervor. Sie waren etwas vorwärts ge⸗ treten und flüſterten mit einander, obgleich ſie ſich tödtlich haßten, weil der Herzog von Chevreuſe immer noch ein Auge auf die Verneuil zu haben ſchien. Wie hinge⸗ worfen und ohne Grimaſſe lächelnd ſagte die Herzogin leiſe:
„Eine ſchöne Frau unſre Allergnädigſte! Scheint ſie aber nicht beunruhigt zu ſein und durch ihre Gemüths⸗
Die eiſerne Maske.
ſtimmung einen Theil ihrer Liebenswürdigkeit einzubüßen?“
„Ich wüßte in der That nicht,“ antwortete die Ver⸗ neuil,„was den Seelenfrieden der Königin ſtören könnte, wenn es nicht die Abweſenheit ihres Gemahls iſt.“ „‚Das vielleicht zum Theil, indem ſie, wie ich von gu⸗ ter Hand weiß, ihn d Sezus auf den Marſchall von Baſ⸗ ſompierre zu ſondiren geſonnen iſt; ohne jedoch, wie Sie begreifen werden, ſich ſelbſt auf irgend eine Weiſe ſondiren zu laſſen.“
„Es wäre doch eigen,“ entgegnete die Marquiſe,„wenn die Königin ſich auf eine ſolche Weiſe gegen eine Dame ausgeſprochen hätte, deren erſter Gemahl vor kaum 6 Jah⸗ ren die Feſſeln eines Condé zu brechen wußte, welche den Montmorency's zu feſt geweſen waren.“
„Ach, beſte Marquiſe,“ verſetzte die Herzogin von Che⸗ vreuſe gereizt,„ich könnte Ihnen mehr ſagen, wenn ich nicht glauben müßte, Sie empfänden über die Gnade, deren ich genieße, einigen Kummer.“
„Wie das?“ antwortete die Verneuil ſo ruhig als
möglich;„von der höchſten Gnade bis zur Verbannung iſt nur ein Schritt...“
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