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Petrus ſchaute ihm mit einer gewiſſen Unruhe zu.
Der Graf zog ſeine Tabaksdoſe aus ſeiner Taſche, ſchlürfte wollüſtig eine Priſe Spaniol, ſtüberte ſeine Weſte ab, um die wohlriechenden Atome zu ver⸗ jagen, wechſelte völlig den Ton und die Manieren und ſprach:
„Nun, mein lieber Neffe, wir haben alſo die Rathſchläge unſeres guten Oheims befolgt?“
Das Lächeln trat wieder auf die Lippen von Petrus, der ſchon ein den Umſtänden angemeſſenes Geſicht angenommen hatte.
„Welche Rathſchläge, mein lieber Oheim?“ fragte er.
„Ei!... in Beziehung auf Frau von Marande.“
„Frau von Marande?“
C
„Ja
„Ich ſchwöre Ihnen, mein Oheim, ich weiß nicht, was Sie damit ſagen wollen.“
„Discretion? Gut, junger Mann, das iſt eine Tugend, die wir zu unſerer Zeit nicht ausübten, doch ich haſſe es nicht, ſie bei den Andern üben zu ſehen.“
„Mein Oheim, ich ſchwöre Ihnen..
„Zu unſerer Zeit,“ fuhr der General fort,„wenn ein junger Mann von Adel, der einen großen Na⸗ men trug, das Unglück hatte, ein jüngerer Familien⸗ ſohn zu ſein, das heißt, keinen Sou zu beſitzen, bei meiner Treue! wenn er ein ſchöner Junge war, von Körper gut gebaut, elegant von Manieren, ſo zog er Nutzen aus Allem dem. Iſt die Natur verſchwen⸗ deriſch geweſen, und Fortuna geizig, ſo muß man wohl die Gaben der Natur benützen.“


