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Petrus,„es iſt ſchlimm, Geheimniſſe für Leute zu haben, welche tein Geheimniß für Dich haben.“ „Ei! mein Gott!“ entgegnete Ludovic,„das Ge⸗
heimniß, wenn ein Geheimniß ſtattfindet,— ich habe kaum Zeit gehabt, es mir ſelbſt anzuvertrauen, wie ſoll ich es dann Euch anvertraut haben?“
„Gut, das entſchuldigt Dich,“ bemerkte Petrus.
„Sodann iſt es vielleicht Jemand, den er nicht nennen kann,“ ſagte Jean Robert.
„Uns!“ rief Petrus;„ſie uns nennen, heißt ſie nicht nennen.“
„Auch ſchwöre ich Euch,“ ſprach Ludovic,„daß ich nicht ganz ſicher bin, auf welche Art ich diejenige liebe, welche ich liebe, ob wie eine Schweſter, ob wie eine Geliebte.“
„Gut!“ rief Jean Robert,„ſo debutiren alle große Leidenſchaften.“
„Auf, mein lieber Freund,“ ſprach Petrus,„ge⸗ ſtehe ganz einfach, daß Du wahnſinnig verliebt biſt!“
„Es iſt möglich,“ antwortete Ludovic,„und in die⸗ ſem Momente beſonders hat mir Dein Gemälde, Petrus, die Augen geöffnet; Deine Verſe, Jean Robert, ha⸗ ben mir die Ohren geöffnet, und ich wäre nicht er⸗ ſtaunt, nähme ich morgen einen Pinſel, um ihr Por⸗
trät zu malen, oder eine Feder, um ihr ein Madrig al 5
zu machen. Ei! mein Gott! das iſt die ewige Ge⸗ ſchichte der Liebe, die man für eine Fabel, für eine Legende, für einen Roman hält, ſo lange man ſie nicht mit verliebten Blicken liest. Was iſt die Philo⸗ ſophie, was iſt die Kunſt, was iſt die Wiſſenſchaft? Selbſt neben der Liebe ſind die Wiſſenſchaft, die Philoſophie und die Kunſt nur Formen des Schönen,


