Teil eines Werkes 
3. Bd. (1856)
Entstehung
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ein zehnjähriges Kind hätte keine ſo leuchtende Furche in das Herz von Dante gegraben. Ich bin Deiner Anſicht, Jean Robert: Beatrir mußte wenigſtens vierzehn Jahre zählen; das iſt das Alter von Julia, es iſt das Alter, in welchem man liebt, es iſt das Alter, wo man geliebt zu werden anfangen kann.

Mein lieber Ludovic, ſprach Jean Robert, ſoll ich Dir etwas ſagen?

Was? fragte Ludovic.

Ich erwartete, Dir, einem poſitiven Manne, einem Manne der Wiſſenſchaft, einem materialiſtiſchen Geiſte, werde am meiſten in meinem Drama das Studium Italiens im 13. Jahrhundert, die Wahr⸗ heit der Sitten, die Auseinanderſetzung der floren⸗ tiniſchen Politik auffallen. Ganz und gar nicht! Was Dich intereſſirt, iſt die Liebe von Dante für ein Kind; was Du verfolgſt, iſt die Entwickelung dieſer Liebe, und der Einfluß, den ſie auf das Leben meiner Heldin hat; was Dich ergreift, iſt die Kataſtrophe, welche Beatrir Dante entführt. Ich erkenne Dich nicht mehr, Ludovic! ſollteſt Du zufällig verliebt ſein?

Ludovic erröthete bis ins Weiße der Augen.

Ah! bei meiner Treue, rief er,er iſt es! ſchaut ihn nur an.

Ludovic verſuchte zu lachen.

Nun, ſagte er,wenn ich es wäre, welcher von Euch Beiden würde mir einen Vorwurf darüber machen?

Ich nicht, antwortete Petrus,im Gegentheile.

Und vollends ich! rief Jean Robert.

Nur ſage ich Dir, mein lieber Ludovic, ſprach