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der Gegenwart, wieder Andere von der Zukunft träumen.
Jean Robert brach zuerſt das Stillſchweigen.
„Vor Allem,“ ſprach er,„meinen Dank für das, was Ihr mir Gutes geſagt habt. Ich weiß nicht, Petrus, ob es bei Dir mit einem Gemälde iſt, wie bei mir mit einem Drama; träume ich ein Drama, ſein Sujet zeichnet ſich, ſeine Scenen verknüpfen ſich, die Acte bauen ſich in meinem Kopfe auf,— dann könnten alle meine Freunde ſagen, mein Drama ſei ſchlecht, ich würde nicht ein Wort glauben. Iſt es gemacht, habe ich drei Monate gebraucht, um es zu dichten, einen Monat, um es zu ſchreiben, ſo müſſen mir alle meine Freunde ſagen, es ſei gut, wenn ich es glauben ſoll.“
„Wohl,“ erwiederte Petrus,„es iſt bei meinen Bildern gerade wie bei Deinen Dramen: auf der weißen Leinwand ſind es Raphael, Rubens, Van Dyck, Murillo, Velasquez; auf der beſchmierten Lein⸗ wand ſind es Petrus, das heißt Sudelarbeiten, die ihr Autor mittelmäßig ſchätzt. Was willſt Du, mein Lieber? das iſt der Unterſchied, der zwiſchen dem Idealismus und der Realität ſtattfindet.“
„Was ich,“ ſprach Ludovic,„was ich bei Deinem Drama anbetungswürdig finde, ſiehſt Du, das iſt die Geſtalt von Beatrix.“
„Wahrhaftig!“ ſagte Jean Robert lächelnd.
„Welches Alter gibſt Du ihr? Es iſt ein Kind.“
„Ich gebe ihr vierzehn Jahre, obgleich die Ge⸗ ſchichte ſagt, ſie ſei mit zehn geſtorben.“
Die Geſchichte iſt eine Thörin,“ erwiederte
Ludovic,„und ſie hat diesmal wie immer gelogen:


