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„Belohnen!“ rief Herr Gérard mit einer Haſt, die er bereute, ſobald dieſer Infinitiv losgelaſſen war.
„Ja, mein Herr,“ antwortete der Commandeur, auf deſſen Lippen ſich ein ſeltſames Lächeln erſchloß, „belohnen... Der König iſt auch darauf bedacht geweſen, Sie zu belohnen.“
„Aber,“ unterbrach lebhaft Herr Gérard, als wollte er ſeinen verfrühten Eifer ſühnen,„trägt nicht die Pflicht in ſich ihren Lohn, Herr Com⸗ mandeur?“
„Allerdings, allerdings,“ antwortete der Com⸗ mandeur,„und ich ſchätze Ihre Bemerkung nach Ge⸗ bühr: ja, die Pflicht trägt in ſich ihren Lohn, und das iſt die Belohnung des Biedermannes vor Gott, doch die Leute belohnen, die ihre Pflicht erfüllt haben, heißt das nicht ſie der öffentlichen Dankbarkeit, der allgemeinen Bewunderung, der Liebe ihrer Mitbür⸗ ger bezeichnen? heißt das nicht, ſie als Beiſpiel den⸗ jenigen geben, welche zwiſchen dem guten und dem ſchlechten Wege zögern, denjenigen, welche weder gut noch ſchlecht ſind, kurz den Halbrechtſchaffenen? Dies, mein Herr, iſt der Gedanke Seiner Mojeſtät, und weigern Sie ſich nicht entſchieden, die Gnadenbezeu⸗ gungen anzunehmen, mit denen Sie die Huld des Kö⸗ nigs überhäufen will, ſo bin ich von ihm beauftragt, mich bei Ihnen nach dem zu erkundigen, was Ihnen am angenehmſten ſein dürfte.“
Herr Gérard fühlte etwas wie eine Blendung vor ſeinen Augen hinziehen.
„Entſchuldigen Sie, mein Herr,“ ſagte er, ſeine Worte unterbrechend,„ich war ſo wenig auf den Beſuch gefaßt, mit welchem mich zu beehren Sie die


