Teil eines Werkes 
3. Bd. (1856)
Entstehung
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Male die Augen niederſchlug, ſehr verlegen über die Art, wie er ſich herausziehen ſollte, würde Roſe⸗de⸗Noel eine mehr poſitive Erklärung in Betreff dieſer Ver⸗ änderung in der Form ihrer Beziehung verlangen.

Doch ſie, die ihn anſchaute, während er die Augen niederſchlug, fühlte etwas Unbekanntes in ihrem Her⸗ zen; es war ein Druck, jedoch ein Druck voll Weich⸗ heit und Glück.

Da geſchah etwas Seltſames: Roſe⸗de⸗Noél, in⸗ dem ſie ganz leiſe die Worte an ihn richtete, die ſie gern ganz laut zu ihm geſprochen hätte, bemerkte, daß, während Ludovic, der ſie immer geduzt, ſie nicht mehr duzte, ſie, die immer Sie mit der Stimme zu ihm ſagte, mit dem Herzen Du zu ihm ſagte; und nun war es an Roſe⸗de⸗Noel, zu zittern, zu ſchweigen und ebenfalls zu erröthen.

Sie drückte ihren Kopf in ihr Kiſſen und zog über ihre Augen eine von den Gazen, in die ſie ſich in ihren pittoresken Toiletten zu hüllen pflegte.

Ludovic ſchaute ihr mit Beſorgniß zu.

Ich habe ſie betrübt, ſagte er zu ſich ſelbſt, und nun weint ſie.

Er ſtand ſodann auf, machte ſich die, von dem unſchuldigen Kinde unbegriffene, allzu große Zartheit zum Vorwurfe, näherte ſich dem Bette, neigte ſich auf das Kopfkiſſen, und ſagte mit ſeinem ſanfteſten Tone:

Roſe, meine liebe Roſe!

Auf dieſen Ruf, der bis in die Tiefe des Her⸗ zens vom Kinde wiederklang, wandte ſie ſich ſo raſch um, daß ſich ihr glühender Athem mit dem Athem von Ludovic vermengte.