100
„Nein, ich ſchwöre Ihnen!“ rief Ludovic.
„Immer Sie! Sicherlich habe ich Ihnen einen Kummer bereitet, den Sie mir nicht ſagen wollen!“
„Ah! nein, nein, nichts, liebe kleine Roſe!“
„Gut!.. Das iſt ſchon beſſer. Fahren Sie fort.“
Ludovic ſuchte ſeinem Geſichte ein wenig Ernſt zu geben.
„Hören Sie, liebes Kind,“ ſagte er.
Foſe⸗de⸗Noél machte eine reizende kleine Mund⸗ verziehung, als ſie das Wort: hören Sie vernahm, das ihr irgend einen unbeſtimmten Aerger weiſſagte, deſſen Urſache zu nennen ſie ſehr in Verlegenheit geweſen wäre.
Ludovic fuhr fort:
„Sie ſind kein Kind mehr, Roſe..
„Ich?“ unterbrach das Mädchen mit Erſtaunen.
„Oder Sie werden es in ein paar Monaten nicht mehr ſein. In ein paar Monaten werden Sie eine große Perſon ſein, der Jedermann Reſpect ſchuldig iſt. Nun wohl, Roſe, es iſt nicht reſpectvoll von einem jungen Manne meines Alters, ſo vertraulich mit einem Mädchen von dem Ihrigen zu ſprechen, wie ich dies zu thun pflege.“
Das Kind ſchaute Ludovic auf eine zugleich ſo
naive und ſo ausdrucksvolle Weiſe an, daß Ludovie genöthigt war, die Augen niederzuſchlagen.
Dieſer Blick bezeichnete klar:„Ich glaube in der That, Sie haben einen Grund, mich nicht mehr zu duzen; doch iſt es der wahre Grund, der, den ſie mir angegeben haben? Ich bezweifle es.“
Ludoviec begriff vollkommen den Blick von Roſe⸗ de⸗Noel; er begriff ihn ſo gut, daß er zum zweiten


