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. Was der Herr von Montrouge wirklich bei der Brocante wollte.
In dem Augenblicke, wo der Herr von Mont⸗ rouge, dem Babolin voranſchritt, ſeine lange Geſtalt beugte, um ſeinen Kopf nicht an das Geſims zu ſtoßen und wie ein Wieſel durch die ein wenig ge⸗ öffnete Thüre ſchlüpfte, ſaß Roſe⸗de⸗Noel an einem Lacktiſchchen, einem Geſchenke von Regina, und unter⸗ hielt ſich damit, daß ſie Blumen, ein Geſchenk von Petrus, colorirte.
„Höre, Roſe⸗de⸗Noél,“ ſagte Babolin,„da iſt ein Herr von Montrouge, der Dich ſprechen will.“
„Mich?“ fragte Roſe⸗de⸗Noel, den Kopf erhebend.
„Dich in Perſon.“
„Ja, Sie, meine liebe Kleine,“ ſprach der Herr, während er ſeine blaue Brille auf ſeine Stirne em⸗ porſchob, um das Kind mit ſeinen Augen zu ſehen, welche durch die Stellung von zwei Gläſern zwiſchen ſie und den Gegenſtand, auf den ſie ſich hefteten, mehr gehindert, als unterſtützt zu ſein ſchienen.
Roſe⸗de⸗Noél ſtand auf. Sie war ſeit drei Mona⸗ ten außerordentlich gewachſen. Es war nicht mehr das krankhafte, verkrümmte Kind, das wir in der Rue Triperet geſehen; es war ein allerdings noch bleiches, mageres, ſchwächliches Mädchen; doch ihre Magerkeit und ihre Bläſſe kamen offenbar von ihrem Wachſen. In eine ihrer Organiſation mehr ſympa⸗ thetiſche Sphäre verſetzt, hatte ſich ihre Geſtalt ent⸗ wickelt; es war eine zärtliche, biegſame, junge Staude,


