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ſichtiger Vater bei ſeiner Tochter thut, und,— immer als ein Vater, unter dem Titel Wächter Ihres Ru⸗ fes, der der meinige wurde,— den ungebührlichen Ver⸗ ſuchen zu ſteuern, welche gewiſſe Menſchen, durch Ihre Schönheit angezogen und geblendet, zu machen nicht verfehlen würden.“
S
„Ach! dieſer Vatertitel, ich hatte bald das Recht, ihn anzunehmen: der Oberſte ſtarb plötzlich auf einer Reiſe, die er in Italien machte; mein Correſpondent in Rom ſandte mir dieſe traurige Nachricht zu. Ihr Schmerz, als Sie es erfuhren, war groß; die erſten Monate unſerer Ehe ſahen uns in Trauer gekleidet.“
„Oh! von Herzen, wie von Körper, das ſchwöre ich Ihnen, mein Herr.“
„Kann ich daran zweifeln, Madame, ich, der ich ſo viel Mühe hatte, nicht Sie dieſes Unglück ver⸗ geſſen zu machen, ſondern von Ihnen zu erlangen, daß Sie Ihre Verzweiflung in die Gränzen der Ver⸗ nunft einſchließen. Sie hatten die Güte, mir Gehör zu ſchenken; Sie legten am Ende die düſtern Kleider ab, oder vielmehr die düſtern Kleider verließen Sie am Ende; man ſah Sie aus dieſer Trauer hervor⸗ treten, wie in den erſten Frühlingstagen eine Blume aus der grauen Winterhülle hervortritt. Der Sammet der Jugend, die Friſche der Schönheit waren nie von Ihren Wangen verſchwunden, doch das Lächeln hatte ſich von Ihren Lippen verbannt. Allmälig... ah! machen Sie ſich keinen Vorwurf daraus, Ma⸗ dame, das iſt ein Geſetz der Natur... allmälig kam das verbannte Lächeln wieder, die verdüſterte Stirne


