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„Was würden Sie an meiner Stelle thun, Mar⸗ ſchall?“
„Ich ſpreche auf Befehl des Königs?“
„Beſſer als dies, Herzog,“ erwiederte Karl X. mit einer Majeſtät, an der es ihm bei gewiſſen Ge⸗ legenheiten nicht gebrach:„auf meine Bitte.“
„Nun wohl, Sire, laſſen Sie das Geſetz zurück⸗ ziehen, berufen Sie für eine andere Revue die ganze Nationalgarde, und Sie werden durch ihre einſtim⸗ migen Acclamationen ſehen, was die wahre Urſache ihres heutigen Stillſchweigens war.“
„Marſchall, das Geſetz ſoll morgen zurückgezogen werden. Beſtimmen Sie ſelbſt den Tag der Revue.“
„Sire, will Eure Majeſtät, daß es der letzte Sonn⸗ tag des Monats ſei, das heißt der 29. April?“
„Geben Sie ſelbſt die Befehle; Sie ſind General⸗ Commandant der Nationalgarde.“
An demſelben Abend war der Conſeil in den Tuilerien verſammelt, und unerachtet des hartnäckigen Widerſtandes Einiger forderte der König die unmit⸗ telbare Zurücknahme des Liebesgeſetzes.
Trotz der Glückſeligkeiten, die ſie ſich von der Anwendung dieſes Geſetzes verſprochen hatten, waren die Miniſter genöthigt, ſich der ſouverainen Gewalt zu unterwerfen. Die Zurücknahme des Geſetzes war übrigens nur ein Act der Klugheit, eine Vorſichts⸗ maßregel, die ihnen die ſichere und entſcheidende Niederlage vor der Pairskammer erſparte.
Am andern Tage nach dieſer erſten Revue, das heißt nach dieſer erſten Manifeſtation der National⸗ garde, deren Wirkungen der König ſo richtig geſchätzt, deren Urſache der Marſchall Oudinot ſo wohl beur⸗


