181
der eben ſo viel Böſes mit ſeinem Leichtſinne gethan hatte, als Jago mit ſeinem Haſſe hatte thun können?
Nun wohl, dieſe Lage war die, in welcher ſich Carmelite befand, als ſie Camille wiederſah, und dieſe Romanze, die ſie mit ſo viel Feſtigkeit und zu⸗ gleich mit ſo viel Ausdruck ſang, dieſe Romanze war ein beſtändiges Märtyrerthum, und jede Note drang kalt und ſchmerzlich wie die Klinge eines Dolches in ihr Herz ein.
Nach der erſten Strophe klatſchte alle Welt Bei⸗ fall mit dem aufrichtigen Enthuſiasmus, welchen jedes neue Talent bei dem Publicum erregt, das nicht intereſſirt iſt, ein falſches Urtheil zu fällen.
Die zweite Strophe:
I ruccelletti limpidi A caldi suoi sospiri...
erfüllte die Zuhörer mit Erſtaunen; es war nicht mehr eine Frau, es war nicht mehr eine Sängerin, die aus ihrem Munde dieſe Cascade von Wehklagen regnen ließ: es war der Schmerz, der ſich ſelbſt beſang.
Der Refrain beſonders:
Laura fra i rami flebile Ripetiva il suon...
wurde mit einer ſo rührenden Melancholie geſungen, daß das ganze verzweifelte Gedicht von Carmelite in dieſem Momente an den Augen von denjenigen, welche ſie kannten, vorübergehen mußte, wie es ſicher⸗ lich vor den ihrigen vorüberzog.


